Prävention von Leiterunfällen
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Prävention von Leiterunfällen

Feuerwehrmann stürzt bei Übung von Leiter

31.07.2025 - Bei einer Übung der Feuerwehr kam es zu einem schweren Zwischenfall: Ein Feuerwehrmann stürzte aus rund 7 Metern Höhe von einer Schiebleiter.

Ein Trupp sollte das Einsteigen in ein Gaubenfenster eines Einfamilienhauses über eine dreiteilige Schiebleiter trainieren. Die Leiter wurde gemäß den Vorgaben der Feuerwehr-Dienstvorschrift 10 (FwDV 10) mit einem Anstellwinkel von ca. 70 Grad auf einem glatten Betonindustrieboden aufgestellt.

Ein Trupp sicherte die beiden Stützstangen der Schiebleiter. Der Truppführer stieg die Leiter hoch, und steig in das Gaubenfenster ein. Bevor er jedoch den Leiterkopf am Objekt sichern konnte, begann der Truppmann ebenfalls die Leiter hinaufzusteigen. Zu diesem kritischen Zeitpunkt rutschte der Fuß der Leiter plötzlich weg, da er nicht mehr ausreichend gesichert war, und der Truppmann stürzte. Die Leiterfußspitzen der verwendeten Leiter waren in einwandfreiem Zustand.

Was die Unfalluntersuchung ergab:

Einfluss des Untergrunds
Mit einem Kraftmessgerät wurde die horizontale Kraft gemessen, bei der die Leiterspitzen ins Rutschen kommen. Als sich der Truppmann an der oben angegebenen Position befand, zeigte sich der Leiterstand bereits bei einer Kraft von ca. 26 daN (entspricht ca. 26 kg) instabil.

Um den Einfluss der Rutschhemmung des Untergrundes zu untersuchen, wurden Vergleichsmessungen mit einer unbelastete Leiter (Masse: 80 kg; Steighöhe von 11 m) auf unterschiedlichen Oberflächen durchgeführt:

Auf Asphalt verlor die Leiter ihren sicheren Stand erst bei einer horizontalen Kraft von über 100 daN (entspricht ca. 100 kg).

Auf dem glatten Betonboden geschah dies hingegen bereits bei etwa 30 daN (entspricht ca. 30 kg) – nur einem Drittel des Wertes für Asphalt.

Einfluss Stützstangen
Unabhängig vom Unfall konnte festgestellt werden, dass die Leiter auf Beton bereits bei einer Zugkraft von ca. 8 daN (entspricht ca. 8 kg) ins Rutschen kommt, wenn die Stützstangen – entgegen den Vorgaben – nicht locker auf dem Boden stehen, sondern eine vertikale Kraft aufbringen. Dies entlastet den Leiterfuß und schafft einen Drehpunkt am Anschlagpunkt der Stützen. Wirken bei dieser Fehlanwendung oberhalb des Drehpunktes Kräfte auf die Leiter – sei es durch Personen, einen Spanngurt, eine Sicherungsleine oder wenn der Truppführer stark nach innen zieht – entsteht ein Drehmoment, dass den Leiterfuß noch stärker entlastet und die Gefahr des Wegrutschens erhöht.

Empfehlungen zur Unfallvermeidung
Der Unfall hätte verhindert werden können, wenn die korrekte Reihenfolge eingehalten worden wäre:

  1. Der Truppmann sichert den Leiterfuß, während der Truppführer aufsteigt.
  2. Der Truppführer sichert den Leiterkopf.
  3. Erst DANN steigt der Truppmann auf.

Diese korrekte Vorgehensweise ist in der Feuerwehr-Dienstvorschrift 10 (FwDV 10) beschrieben, wird aber im Kapitel über die Dreiteilige Schiebleiter (Kapitel 8) nicht noch einmal explizit erwähnt.

Hinweis:
Dieser Text wurde von der Seite der Kommunalen Unfallversicherung Bayern entnommen.

Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage der Kommunalen Unfallversicherung Bayern:
https://kuvb.de/de/praevention/betriebe-und-einrichtungen/feuerwehren/aktuelles/?tx_contrast=19

Stand: 08/2025
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